Das Jahr 2023: Tierisch was los in der Wildnis

Foto: Stiftung Naturlandschaften Brandenburg
Foto: Stiftung Naturlandschaften Brandenburg

Highlights zu neuen und bekannten Tierarten auf den Stiftungsflächen

Die Rückkehr der Wildkatzen nach über 200 Jahren war eines der großen Highlights für die Wildnisstiftung im Jahr 2023. Aber es gab auch noch weitere positive große und kleine Überraschungen. Passend zur Weihnachtszeit hält die Stiftung gute Nachrichten zu tierischen Bewohnern ihrer Wildnisgebiete bereit. Erfahren Sie mehr über das Jahr 2023 mit neuen beeindruckenden Insektenarten, tierischen Rekorden und vom Aussterben bedrohten Schnecken.

Über 13.700 Hektar Flächen auf den vier ehemaligen Truppenübungsplätzen Jüterbog, Heidehof, Lieberose und Tangersdorf hat die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg – Die Wildnisstiftung bereits für eine dauerhafte Wildnisentwicklung gesichert. Hier können sich Tiere und Pflanzen frei entwickeln und in Sandflächen, Heiden, Naturwäldern, Seen und Mooren vielfältige Lebensräume in der dicht besiedelten Kulturlandschaft finden. „Trotz Herausforderungen wie Munitionsbelastung und Waldbränden entwickelt sich auf diesen besonderen Flächen eine unglaubliche biologische Vielfalt, die immer wieder zum Staunen bringt.“, sagt Stiftungsgeschäftsführerin Dr. Antje Wurz. „Jede Entdeckung erinnert uns daran, wie wichtig es ist, diese Schätze zu bewahren und die freie Entwicklung der Natur zuzulassen. Diese Vielfalt ist ein Geschenk, das wir schätzen und weiterhin für kommende Generationen erhalten wollen."

Als seltene Arten haben neben Bechsteinfledermaus, Raufußkauz und Kreuzkröte auch folgende tierische Vertreter 2023 von sich reden gemacht:

Wolf und Wildkatze
Wieso  in die Ferne schweifen? Wilde Raubkatzen gibt es nicht nur in Afrika sondern seit 2023 auch wieder in Brandenburg. Die wilden Verwandten unserer Stubentiger haben es geschafft, sich erneut in Brandenburg anzusiedeln, nachdem sie dort 200 Jahre lang ausgestorben waren. Drei weibliche Wildkatzen konnten auf unseren Jüterboger Stiftungsflächen genetisch nachgewiesen werden. Der Wolf fühlt sich bereits seit 2009 auf den Flächen der Wildnisstiftung wohl. 2011 gab es zum ersten Mal Wolfsnachwuchs und aktuell sind insgesamt vier Wolfsrudel auf den Stiftungsflächen heimisch.

Der Ziegenmelker-Rekord
Auch die Vogelwelt der Wildnisgebiete ist beeindruckend. Insbesondere das Wildnisgebiet Jüterbog sticht hier mit einem besonderen Rekord hervor. Bei der letzten Bestandserfassung des Landesamtes für Umwelt wurden 663 Brutpaare der seltenen Nachtschwalbe erfasst. Das entspricht durchschnittlich 5,8 Reviere pro Quadratkilometer. Damit liegt hier nicht nur brandenburgweit, sondern mutmaßlich auch national das bedeutendste Vorkommen des seltenen Vogels. Im Volksmund wird er aufgrund von Mythen und Legenden auch Ziegenmelker genannt. Auch die majestätischen Seeadler fühlen sich mehr und mehr im Gebiet wohl, 2023 wurde hier ein neuer Horst entdeckt.

Die Klimafolger

Die faszinierende Gottesanbeterin ist seit einigen Jahren in zunehmender Zahl in den Wildnisgebieten der Stiftung anzutreffen. 2023 konnte ein weiteres wärmeliebendes Insekt erstmals in den Wildnisgebieten Jüterbog und Heidehof beobachtet werden, der seltene Segelfalter. Der Schmetterling mit Verbreitungsgebiet in Südeuropa und Asien war früher auch im Süden Deutschlands häufiger anzutreffen. Heute gilt der hübsche Falter hierzulande vielerorts als vom Aussterben bedroht.

Schnecken-Entdeckung
Neu entdeckt wurden im Wildnisgebiet bei Forschungsarbeiten zum Moorschutz zwei ganz besondere kleine Schneckenarten. Die Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) ist stark gefährdet und in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht. Da sie in kleinen isolierten Populationen vorkommt, wird vermutet, dass sie ein Relikt der letzten nacheiszeitlichen Warmzeit (ca. 7200 bis 3800 v. Chr.) sein könnte. Auch ihre gefährdete Verwandte die Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior) wurde nachgewiesen.

__________________________________________________________________________________

Das Jahr 2023 in der Wildnis – was war sonst noch los?

Waldbrandschutz verbessert
Wildnis? Aber sicher! Unser Waldbrandschutzsystem hat 2023 seine Wirksamkeit bei einem über 700 Hektar großen Brand im Wildnisgebiet Jüterbog unter Beweis gestellt und wurde in enger Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Forst und Naturschutz weiter verbessert:
- Neuanlage von 1,3 km und Pflege von 50 km Waldbrandschutzschneisen
- Instandsetzung von 5,2 km Brandschutzwegen
- Bau von 4 Löschwasserbrunnen auf den Stiftungsflächen

Wälder von morgen erforscht
Wildnisgebiete sind die Lebensversicherung des Planeten. Sie zeigen uns, wie Pflanzen und Tiere sich an das veränderte Klima anpassen und was die Natur braucht, um auch uns dauerhaft als Lebensgrundlage erhalten zu bleiben. Im Forschungsprojekt PYROPHOB erforschen wir gemeinsam mit renommierten Partnern, was Wälder widerstandsfähig gegen Hitze und Brände macht. Erste Forschungsergebnisse zeigen, wie wichtig naturnahe Wälder mit hohem Laubholzanteil sind.

Moorschutz vorangebracht
Viele Moorschutzprojekte hat die Wildnisstiftung auf ihren Flächen bereits umgesetzt. Gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt und der ARGE Klimamoor wird aktuell die Aufwertung von Feuchtwiesen und Moorflächen im Wildnisgebiet Jüterbog geplant. Hierzu hat die Wildnisstiftung eine 200 ha große Fläche von Nutzungen befreit.

Naturwelt unterstützt
Unser Partnerprojekt „Naturwelt Lieberose – das wilde Herz der Lausitz“ setzt Wildnis für Naturtourismus und Regionalentwicklung in Wert. Wir freuen uns über die Zusage von Fördermitteln für unsere Partner zur Förderung eines Infozentrums mit Outdoorausstellung. Als positives Startsignal wurde in diesem Jahr der 25 km lange Heideradweg fertiggestellt.

________________________________________________

Ein Weihnachtsgeschenk für die Wildnis

Für alle, die noch auf der Suche nach einem besonderen Weihnachtsgeschenk sind, bietet die Initiative "Spenden statt Geschenke" der Wildnisstiftung eine Möglichkeit, die wilde Natur zu unterstützen. Statt herkömmlicher Geschenke kann man dieses Jahr etwas ganz besonders Wertvolles unter dem Baum legen: Eine Patenschaft zum Schutz der heimischen Flora und Fauna.
Mit Ihrer Unterstützung kann die Wildnisstiftung auch in Zukunft Lebensräume für bedrohte Arten wie Wildkatze, Wolf und Wiedehopf bewahren.

Hier finden Sie die Spendenmöglichkeiten für die Wildnis

 _______________________________________________

Hintergrund:

Stiftung Naturlandschaften Brandenburg – Die Wildnisstiftung

Die Wildnisstiftung engagiert sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mit eigenen Flächen und Expertise für Wildnisgebiete und deren Vernetzung. Sie ist eine der größten privaten Eigentümerinnen von Wildnisgebieten in Deutschland.

Stifter sind das Land Brandenburg, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, der Naturschutzbund

Deutschland (NABU), die Umweltstiftung WWF Deutschland, der Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung, die Gregor Louisoder Umweltstiftung und eine Privatperson.

Die private Stiftung besitzt und verwaltet auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen Jüterbog, Heidehof, Lieberose und Tangersdorf Flächen im Umfang von rund 13.700 Hektar. Sie setzt sich für die ökologische Vernetzung ihrer Flächen ein und macht sie erlebbar. Als Vermittlerin von Fachwissen und Expertenaustausch engagiert sie sich dafür, das Thema Wildnisschutz im politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs voranzubringen.

Weitere Informationen zur Wildnisstiftung unter
www.stiftung-nlb.de

 

Weitere Informationen zu Wildnis in Deutschland unter
www.wildnisindeutschland.de